Susanne Preusker

Krimis & Thriller

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Vita

Susanne Preusker

Susanne Preusker, geboren 1959 in Hildesheim, wohnhaft in Magdeburg, studierte Diplom-Psychologin/ Psychotherapeutin, nach langjähriger Tätigkeit im Strafvollzug 2009 dort ausgeschieden (worden), verheiratet, ein erwachsener Sohn, ein unerzogener Hund. Motto: „Ich schreibe Bücher, weil ich nicht tanzen, singen oder malen kann.“ Bisher sechs Veröffentlichungen. Susanne Preusker hat sich am Dienstag, 13. Februar 2018, entschieden, aus dem Leben zu scheiden. 

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    Goor

    Die oberflächliche Idylle einer gut situierten Familie, die auf der Insel Rügen eine kleine, aber (...)

Leseprobe



1.
Im Märzen der Bauer

Ihr Blick fiel schon wieder aus dem Fenster, und sie musste ein Gähnen unterdrücken. Sie fühlte sich schläfrig. Sie hatte so viel gehört. Alles gehört, was sie hören wollte. Es war alles gesagt, was gesagt werden musste. Müde war sie nun. Müde und erschöpft.
   Die Bäume draußen vorm Fenster hatten schon Knospen. Nicht mehr lange, und ihre Blätter würden den Raum dunkler erscheinen lassen. Und vielleicht den Verkehrslärm dämpfen, sodass die Fenster geöffnet werden könnten. Zumindest im Sommer. Wer weiß. Noch war es kalt draußen. Kalt und windig. März-Wetter. Im Märzen der Bauer … ein Kinderlied? Die Melodie fing an, in ihrem Kopf zu kreisen. Sich festzusetzen. Ein Kinderlied. Und sie fragte sich, ob das kleine Mädchen es auch gekannt hatte. Das kleine Mädchen, von dem sie so viel gehört hatte in den vergangenen Tagen. Das kleine Mädchen, das sie nun so gut zu kennen glaubte, als wäre es ihr eigenes Kind, das sie nie gehabt hatte und auch nie haben würde. In Wirklichkeit gehörte das kleine Mädchen zu der Frau dort drüben, deren Profil ihr mittlerweile so vertraut war. Die mit den eigenartig himmelblau lackierten Fingernägeln. Die mit der braunen Locke, die ihr ständig in die Stirn fiel. Die Hauptdarstellerin. Die mit der wichtigsten Rolle. Die Mutter.
   Stell dir vor, ihre Fingernägel sind himmelblau, hatte sie ihm vor einigen Tagen gesagt. Zu Hause, abends, kurz vor der Tagesschau. Er hatte nur genickt. Himmelblaue Fingernägel. Seine sind gelb. Gelb vom Nikotin. Wie seine Zähne.
   Sie betrachtete ihre Hände. Kurze, brüchige Fingernägel mit weißen Flecken. Eine Mangelerscheinung sei das, hatte sie gelesen. An einem Mangel an Arbeit kann es jedenfalls nicht liegen, hatte sie damals gedacht und böse gelächelt. Immer, wenn sie böse lächelte, traten die Linien um ihren Mund scharf hervor. Das wusste sie. Sie wusste nicht, ob sie auch anders als böse lächeln konnte. Nein, das wusste sie wirklich nicht. Woher auch.
   Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Das Lied ging ihr nicht aus dem Kopf. Es übertönte die monotone Stimme im Hintergrund. Sie war so müde. Und sie fragte sich, ob der dort drüben auch müde sei. Müde von den vielen Fragen, müde von den Antworten, müde von den monotonen Stimmen. Wortmüde. Oder müde von den Blicken der Hauptdarstellerin, denen er trotz der braunen Locke, die ihr immer wieder ins Gesicht fiel, ausgesetzt war.
   Er sah jung aus, viel jünger, als er war. Sie kannte sein Alter, kannte es seit dem ersten Tag. Er ist jung, hatte sie abends zu Hause zu dem anderen gesagt. Ganz jung. Aber auch da hatte er nicht aufgeblickt. Abends in ihrem Wohnzimmer, kurz vor der Tagesschau. Jung war er und irgendwie unscheinbar, nichtssagend, blass, verstörend unauffällig. Mit Augen, die man nur bemerkte, wenn man dieses jugendliche Gesicht ganz genau betrachtete. Blassblau. Wasserblau. Himmelblau. Himmelblau wie der Nagellack der Hauptdarstellerin. Ein ganz und gar nichtssagender, langweiliger Mensch, der er auch geblieben wäre, wenn man ihn nicht in diesen Raum gebracht, wenn er nicht seine Rolle in diesem Stück zugewiesen bekommen hätte. Wenn nicht diese ganzen Fragen und Blicke und Worte ihm gegolten hätten.
   Er redet nicht, hatte sie an einem weiteren Abend zu Hause zu dem anderen gesagt. Dem anderen, mit dem sie seit Jahren Tisch und Bett und Leben teilte. Der mit den nikotingelben Fingern. Er hatte nicht reagiert. Dann hatte sie nichts mehr erzählt.
   Der da drüben hatte auch später nicht geredet. Nichts, nicht ein Wort. Außer ganz am Anfang. Da hatte er gesagt, ich war es nicht. Ich war es wirklich nicht. Ganz ruhig hatte er das gesagt und viel zu leise. Genutzt hatte es ihm nichts. Kein bisschen hatte es ihm genutzt. Alles, wirklich alles hatten sie ihm nachweisen können. Bis ins letzte Detail. Keine Chance. Offen blieb nur die Sache mit dem Kettchen, aber was half es? Wem half es? Was änderte es schon? Und die Frau mit der Hauptrolle hatte sich nur die Locke aus der Stirn gestrichen und ihn angesehen.
   Manchmal sollte sie etwas über das kleine Mädchen erzählen. Sie hatte es getan. Es wurde viel über das kleine Mädchen gesprochen, das tote, kleine Mädchen, und jetzt war alles geklärt. Es war alles gesagt, was gesagt werden musste, und sie war müde, und die Melodie saß fest in (...)

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